Der Torturm der Veste Oberhaus // SoSe 2018

Der Torturm der Veste Oberhaus

Cornelia Gmeiner / Masterarbeit SoSe 2018 / Prof. Dr. Ulrike Fauerbach, Dr. Andrij Kutnyi

Der Torturm der Veste Oberhaus

Die Veste Oberhaus wurde in ihrer ursprünglichen Form bereits im Jahr 1219 von Bischof Ulrich II. erbaut. Seitdem steht die Festung für eine jahrhundertelange Tradition als Wohnsitz der Passauer Bischöfe, aber auch für eine kontinuierliche wehrhafte Funktion bis in das 20. Jahrhundert (1). Mitte des 14. Jahrhunderts wird die Kernburg um einen äußeren Burghof ergänzt, der zunächst nur aus einer umlaufenden Wehrmauer und dem daraus vorspringenden Torturm besteht (2).

Ziel der Masterarbeit war eine baugeschichtliche Untersuchung des Turms um eine Aufschlüsselung der Bauphasen zu ermöglichen und dessen Zustand in diesen Phasen schrittweise zu rekonstruieren.

Der Torturm des äußeren Burghofs wird von außen als ein mehrgliedriges Bauwerk wahrgenommen. Dominiert wird dieses von dem fünfstöckigen Hauptturm mit einem steilen Walmdach, der eine beachtliche Höhe von rund 29 m erreicht und sich über eine Grundfläche von ca. 10,80 mal 9,30 m erstreckt. Im Norden schließt ein dreistöckiger, nach Westen leicht gedrehter Anbau mit Schopfwalmdach an, dessen trapezförmiger Grundriss über den Hauptturm hinausragt. Hofseitig lehnt sich ein zweistöckiger Anbau mit flachem Pultdach an, welcher den Hauptkörper in den Untergeschossen nach Süden erweitert. Die Wände des Hauptturms bestehen aus nicht lagerhaftem Bruchsteinmauerwerk, wohingegen die Anbauten aus Ziegelmauerwerk errichtet wurden.

Bei der Erörterung und Interpretation verschiedener Befunde am Gebäude liegt ein besonderer Schwerpunkt auf dem obersten Geschoss, in dem die Bruchsteinmauern unverputzt frei liegen und besonders viele Beobachtungen gemacht werden können. Hier kann das Bruchsteinmauerwerk durch vorhandene Rüstlöcher als homogene Bauphase identifiziert werden. Eine Ausnahme bildet allerdings der Spitzbogen an der Südwand des Turms, der von der ehemaligen Funktion als Schalenturm zeugt, bei dem es sich um eine Erneuerung des bauzeitlichen Bogens handelt. In der Literatur wird dem Schalenturm oft ein Zinnenkranz zugewiesen (3), was allerdings anhand der vorhandenen Mauerkrone weder bestätigt noch wiederlegt werden kann.

Die Tonnengewölbe, die jedes Geschoss des Turms überdecken, stehen im Gegensatz zu den meist leichten Deckenkonstruktionen eines Schalenturms. Passend dazu liefert jedes Geschoss auch mindestens einen Befund, der das jeweilige Gewölbe als nachträglichen Zusatz kennzeichnet. Der Einbau der Gewölbe wird auf einen Zeitpunkt vor 1555 festgelegt, der aus einem Inventar hervorgeht (4), und somit eine bereits bestehende Datierung widerlegt, die sich auf einen Wappenstein im ersten Obergeschoss stützt.

Gleichzeitig mit dem Turm werden auch die beidseitigen Anschlussstellen der ehemaligen Ringmauer des äußeren Burghofs untersucht, die heute noch in den angrenzenden Gebäuden nachvollziehbar ist (5). Dabei werden auf der Westseite ein Austritt auf den Wehrgang auf Höhe des zweiten Obergeschosses und ein weiterer im Stockwerk darunter identifiziert. Damit wird erstmals belegt, dass die Ringmauer in diesem Bereich zwei Verteidigungsebenen besaß. Im Zusammenhang mit einer davorliegenden Treppe könnte der untere Durchgang als ehemaliger Hocheingang des Turms gedient haben.

Die Nutzung des Schalenturms als Torturm bringt ebenfalls eine erhöhte Wehrhaftigkeit mit sich, die zum Schutz des Tors notwendig war. Dies bedingt den vermehrten Einsatz von Wehrelementen, wie zum Beispiel die Zugbrücke des nördlichen Anbaus aus dem 15. Jahrhundert und das dahinter erhaltene Torelement des bauzeitlichen Turms. Eine Schießscharte mit erhaltenem Prellholz findet sich im Erdgeschoss des nördlichen Anbaus; weitere Schießkammern werden in den oberen Geschossen verortet. Des Weiteren kann ein Wurferker im obersten Geschoss über dem Tor belegt werden. Ein zweiter Erker wird an der Ostseite anhand zweier erhaltener Konsolensteine rekonstruiert und aufgrund der geringeren Dimensionen und der Position als Aborterker identifiziert. Da dieser sich zwischen zwei Geschossen befindet und deswegen Anschluss an eine Treppe bestanden haben muss, können auch Überlegungen zur ehemaligen Erschließung des Torturms angestellt werden.

Zusammenfassend werden die Teilergebnisse der Analyse zu einem Gesamtbild zusammengefügt. Auf diese Weise kann die Entwicklung des Passauer Torturms vom mittelalterlichen Schalenturm bis zu seiner äußerlichen Baugestalt im 16. Jahrhundert abgebildet werden, die sich seitdem weitgehend unverändert zeigt.­­

 

(1) E. J. Greipl, Passau – Eine Militärstadt, in: ders. (Hg.), Denkmäler in Bayern – Kreisfreie Stadt Passau, Bd. 1 (Passau 2014) S. CXLVII-CLX, CLIV.

(2) M. Brix, Georg Dehio Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler – Bayern, Bd. 2 Niederbayern (Darmstadt 1988) S. 538-542, 538.

(3) G. Schäffer, Die bauliche Entwicklung der Burg-Festung Oberhaus, in: Stadt Passau (Hrsg.) Das Oberhausmuseum zu Passau, Führer durch die Sammlungen (Passau 1975), 10.

(4) R. Loibl, Dem Menschen uneinnehmbar? – Beiträge zur Geschichte der Burg und Festung Oberhaus ob Passau in Mittelalter und früher Neuzeit, in: W. Wurster, R. Loibl (Hrsg.), Ritterburg und Fürstenschloß, Bd.1 Geschichte (Passau 1998) 278

(5) M. Koopmann, Passaus St. Georgenburg. Studien zum Gründungsbau der Veste Oberhaus, in: Passauer Jahrbuch 59 (Passau 2017), S. 248-275, 273.

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